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Allgemein, finanzielle Freiheit, Geldmuster

Die schleichende Inflation des Alters

DSCN4392Wenn wir keine Inflation haben, wird das Leben auch nicht teurer. Stimmt, oder? Stimmt für viele Menschen nicht, behaupte ich. Stimmt auch für mich nicht. Vor sechs Jahren, kurz nachdem ich mit meinem Mann einen gemeinsamen Hausstand gebildet habe, haben wir über ein halbes Jahr ein Haushaltsbuch geführt. Wir wollten damals wissen, wie viel Geld wir nun mit nur noch einem gemeinsamen Haushalt brauchen. Nach einem halben Jahr haben wir aufgehört, wir hatten einen ganz guten Überblick. Unsere Ausgaben lagen bei etwa 2.100 € im Monat. Die nächsten sechs Jahre haben wir ohne Aufzeichnungen gelebt. Sicherlich mit dem Bewusstsein, dass es uns grundsätzlich gut geht und wir nicht auf jeden Cent achten müssen. Aber auch mit unserer gemeinsamen Identität, dass wir sparsame Menschen sind und Geld nicht für irgendwelchen Quatsch ausgeben.

Soweit so gut. Ich habe natürlich viele Excel-Tabellen, in denen ich berechne, wie viel Geld wir pro Jahr brauchen werden. Um nicht die Inflation zu übersehen, habe ich diese brav eingebaut. Und fand mich mit durchschnittlich 2% ziemlich großzügig. Zumindest für aktuelle Zeiten. Immerhin lag die Inflation in den letzten fünf Jahren deutlich unter 2%.

Für 2017 haben wir uns wieder vorgenommen, unsere Ausgaben genau aufzuschreiben. Die erste Überraschung: Es sind ganz neue Kostenkategorien dazugekommen, die vorher einfach gar nicht da waren. Selbstbestimmt und bewusst haben wir uns für ein Auto entschieden. Diese neue Kategorie hat mich entsprechend nicht überrascht. Aber dann kam die Frage, in welche Kategorie wir Medikamente aufschreiben? Und die professionelle Zahnreinigung sowie der Besuch bei der Osteopathien. Also kam die neue Kategorie Gesundheit dazu. Ich geh scharf auf die 50 zu, mein Mann nähert sich der 60. Hossa, es hat mich echt überrascht, wie diese Kategorie gleich angewachsen ist.

In anderen Kategorien sind die Kosten auch gestiegen. Nicht überall, aber doch in einigen.

Schauen wir uns die Kostensteigerung mal insgesamt an. Im Januar 2011 haben wir 2.150 € an Kosten gehabt. Durch einige Versicherungen, die wir einmal im Jahr bezahlen, waren damals ein paar mehr Kosten angefallen. Bei den laufenden Kosten waren wir eher sparsamer, wir hatten ja gerade den guten und teuren Monat Dezember hinter uns. Mit angenommenen 2% Inflation wachsen diese 2.150 € auf 2.365 € für den Januar 2017. Nun führen wir wieder Haushaltsbuch. Im wesentlichen haben wir ein neues Auto und zwei alternde Körper als Mehrkosten ausgemacht. Konkret ausgegeben haben wir im Januar 2017: 2.600,- €. Und da ist nicht die Kfz-Versicherung mit knapp 600,- € dabei, die haben wir schon im Dezember gezahlt. Sondern nur einmal tanken für 60,- €. Konkret bedeutet dies eine Kostensteigerung von 3,62 %. Fast doppelt so viel, wie die angenommene Inflation. Nicht die Kosten sind real gestiegen, unsere Ansprüche sind es. Und das, obwohl wir uns immer noch als sparsame Menschen wahrnehmen. Vielleicht sind wir dies auch noch im Vergleich zu allen möglichen Mitmenschen. Aber wir sind eben doch weit über unsere finanziellen Annahmen hinausgeschossen. Wir werden auch das restliche Jahr ein Haushaltsbuch führen. Einfach um zu schauen, wo wir real gerade liegen. Ob wir dann was verändern, oder nicht, dass werden wir dann diskutieren.

 

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Über Monika - die Frau mit dem Geld

Das Thema Geld interessiert mich, weil ich mit 45 finanziell frei war. Durch ein bisschen zufällige und im Nachhinein geschickte Geldanlagen kann ich von meiner Rendite leben. Meine Geschichte habe ich als Monika Reich im Buch "Finanziell frei" aufgeschrieben. Über weitere Entwicklungen blogge ich hier und tausche mich gerne mit den anderen Frauen (und Männern) aus.

Diskussionen

12 Gedanken zu “Die schleichende Inflation des Alters

  1. Ich habe auch kein regelmäßiges Haushaltsbuch und mache nur gelegnetlcih eine Bilanz. So 3000 – 4000 Euro gehen monatlich durch den Kamin, ohne dass irgend etwas Besonderes gewesen ist für 3,5 Personen (unser Großer bekommt sein Lehrgeld, aber ohne dass wir die kleine Wohnung zahlen, würden 800 in München nicht reichen). Vor zwanzig Jahren haben uns 2000 Mark gereicht und wir haben (in der Erinnerung) nicht schlecht gelebt (viel Biokost, ab und an mal gut Essen gegangen). Aber auf genaue Durchsicht ist viel dazugekommen, auch das Auto, auch ein paar Zipperlein, mehr Urlaub, die Ansprüche einer Teenagerin und so schrecklich viel unnötiges Zeug, dass man halt irgendwie kauft (Klamotten, Aktionsware beim Aldi, Bücher) und das nur die Bude füllt und abgestaubt werden muss. Das ist jetzt nicht existenzbedrohend aber macht die finanzielle Freiheit schwerer erreichbar. Wir wollen auch wieder genauer Buch führen, dass uns mehr bewusst wird, dass aus vielen Dingen für 3,99, 7,95, 14,99 doch über die Zeit grosse Summen werden. Wir halten es wie Du, wenn es ok ist, dann ist es ok, aber das Geld sollte für nachhaltige Freude ausgegeben werden nicht für Zeug, das schnell zur Last wird.

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    Verfasst von Kostenrunter | 31. Januar 2017, 23:15
    • Hallo Kostenrunter,

      ja, ein Haushaltsbuch hat bei uns wieder mehr Bewusstsein in unser Kaufverhalten gebracht. Allerdings auch so eine gewissen Anspannung, die sich manchmal auch nicht gut anfühlt. Es ist spannend, immer wieder die Balance zwischen dem Ziel der finanziellen Freiheit und dem aktuellen Leben hier und heute zu halten. Viele Grüße Monika

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      Verfasst von Monika - die Frau mit dem Geld | 6. Februar 2017, 10:22
  2. Hallo Monika,
    Du hast recht. Es ist vor allem das Alter. Die Hotels werden besser, nicht weil man unbedingt statusmäßig unterwegs ist, sondern weil man auf bessere Betten hofft. 😉
    Außerdem sind da noch Muckibude und regelmäßig Sauna. Enfach um fit zu bleiben und durch den Winter zu kommen. Klar macht das auch Spaß, aber letzendlich ist es Erhaltungsarbeit.

    Gruß
    Finanzwesir

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    Verfasst von Finanzwesir | 3. Februar 2017, 11:51
    • Lieber Finanzwesir,
      Danke für Deinen Kommentar. Erhaltungsarbeit hört sich zwar hart an, aber es stimmt schon, faktisch mache ich jetzt auch nicht Sport nur aus dem reinen Vergnügen.
      Viele Grüße
      Monika

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      Verfasst von Monika - die Frau mit dem Geld | 6. Februar 2017, 10:20
  3. Hallo Monika,
    du kannst sicherlich ein Lied davon singen, wie sich das Leben über die Jahre verändert. Es gibt ja auch die Lifestyle-Inflation. Die schleichende Inflation, die du beschreibst ist auch sehr aufschlussreich. Wer von uns weiß schon welche neuen Produkte, Dienstleistungen… wir in einigen Jahre brauchen, mögen oder konsumieren? Ein Haushaltsbuch hilft mir dabei die Ausgaben und Kosten bewusst wahrzunehmen.
    Viele Grüße Markus (MDFIRE2024)

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    Verfasst von Markus (MDFIRE2024) | 5. Februar 2017, 11:06
    • Hi Markus,

      danke für Deinen Kommentar. Ja, mich hat es auch ein bisschen umgehauen, zu sehen, dass sich eine Kategorie „Gesundheit“ im Haushaltsbuch lohnt und das diese Kosten nicht unerheblich sind. Tss, tsss – soweit sind wir jetzt also schon…
      Viele Grüße
      Monika

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      Verfasst von Monika - die Frau mit dem Geld | 6. Februar 2017, 10:16
  4. Hallo Monika,

    tja, für jeden, der nicht den durchschnittlichen Warenkorb konsumiert fühlt sich die Inflation anders an. Vermutlich sind auch gefallene Ölpreise bei Euch ohne Auto nicht so angekommen, wie bei anderen. Dafür hat der Mindestlohn in anderen Branchen für Steigerungen gesorgt. Der größte Unterschied ist aber vermutlich Euer selbst bewohntes Eigenheim, weil die durchschnittliche Miete nur +-0,5% steigt, bei den meisten gar nicht, der Rest also mehr steigen muss. Dies wird dann sichtbar.

    (Die Prozentzahlen kann ich übrigens nicht nachvollziehen. 2.600 sind nach meiner Rechnung (2600 / 2150 und hoch 1/6) nur 3,22% und 2% pro Jahr für 6 Jahre sollten den Betrag auf 2.421 (2150 * 1,02 hoch 6) erhöhen. Der Unterschied ist damit nicht mehr so groß!)

    Grüße, Alex

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    Verfasst von reichplanung | 5. Februar 2017, 16:39
    • Hallo Alex,
      den großen Unterscheid beim Eigenheim werden wir wohl nicht mehr spüren, da unser Häuschen abbezahlt ist. Das allerdings die durchschnittliche Miete nur um 0,5% gestiegen ist, kann jetzt ich nicht nachvollziehen. Die Mietsteigerungen, die ich in meinem Umfeld erlebe, sind deutlich höher. Sollte ich mich bei den Prozentzahlen verrechnet haben, tut mir das leid. Deshalb habe ich ja die absoluten Zahlen offen gelegt. So kann das jeder für sich korrigieren. Und wenn es dann rechnerisch nicht mehr ganz so viel Inflation ist, umso besser (-: Danke für´s Nachrechnen!
      Tschüß Monika

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      Verfasst von Monika - die Frau mit dem Geld | 6. Februar 2017, 10:15
  5. Ja, die Kosten der Gesundheit werden bei den jungen Bloggern gerne unterschätzt, da wird höchstens mal die Taxifahrt ins Krankenhaus diskutiert. Ich persönlich hatte letztes Jahr Ausgaben in Höhe von zwei Monatsgehältern nur für Gesundheitsthemen (bin Mitte 40). Zum Glück kommt so was nicht jedes Jahr vor (hoffentlich), und ich weiß nun, warum man einen Notgroschen von drei Monatsgehältern vorhalten sollte.
    Hatte für mich aber die Konsequenz, dass ich meinen Notgroschen noch mehr aufstocken werde, und mit nochmal 10 Prozent höheren Kosten im Alter plane.

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    Verfasst von Martin | 7. Februar 2017, 15:38
  6. Ich ermittle meine Ausgaben stets am Ende des Jahres. Nachträglich anhand meiner Kontobewegungen. Für meine Eltern habe ich das ebenfalls mal gemacht und musste ebenfalls die Kategorie „Gesundheit“ einführen. Das Leben wird wirklich teurer im Alter. Man schläft nicht mehr im Schlafsack, muss öfter zum Arzt und dreht die Heizung mehr auf.

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    Verfasst von Ex-Studentin | 7. Februar 2017, 21:38
  7. Hallo Monika,
    Du weist auf einen sehr wichtigen Punkt hin, den jeder finanziell freie Mensch berücksichtigen sollte: Die Inflation (gemessen am künstlichen Warenkorb) ist nicht wirklich ausschlaggebend. Viel mehr wird durch die eigenen Gewohnheiten und Bedürfnisse viel mehr bewegt. Es lassen sich neben Auto und Gesundheitskosten viele weitere nennen, die insb. ab dem Eintritt der finanziellen Freiheit ausschlaggebend werden können, insb. Kosten für Hobbies, Reisen und dgl.
    Ich glaube, dass daher jeder gut daran tut, für die Phase der finanziellen Freiheit eher großzügig als zu sparsam zu budgetieren. Entweder durch eine höhere Inflationsannahme oder noch besser über einen Aufschlag auf das erwartete Budget, in diesem Artikel habe ich 30% Aufschlag vorgeschlagen: https://meinefinanziellefreiheit.com/2016/06/04/was-bedeutet-finanzielle-freiheit/
    Viele Grüße,
    FF

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    Verfasst von finanziellefreiheit | 11. Februar 2017, 14:21

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