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Allgemein, finanzielle Freiheit

Wenn Hartz 4 auf Millionärin trifft


So, hier kommt jetzt auch meinen Beitrag zu unserer Blogparade. Ich habe bewusst einen etwas auffälligen Titel gewählt, der so nicht ganz stimmt. Als ich meinen Liebsten kennengelernt habe, war er in einer Zeitagentur beschäftigt und ich noch nicht Millionärin. Kurze Zeit später bezog er allerdings Hartz 4 und ich befand mich als Abteilungsleiterin eigentlich in einem ganz anderen Leben, anderem Tempo und lebte einen anderen Lifestyle als er. Das schien am Anfang überhaupt nicht zusammen zu passen und es hat tatsächlich eine Weile gedauert, bis wir zu einem festen Paar wurden. Mich rüttelte ein Autounfall wach – diese Erfahrung von Tod ließ mich nachdenken, was wirklich wichtig ist. Mein Liebster war in dieser schweren Zeit immer an meiner Seite und mir wurde klar, dass eher an meinem sonstigen Leben viel oberflächig war, er dagegen auf jeden Fall eine Stütze mit zunehmendem Tiefgang war.

Mit dem Unfall habe ich mein Arbeitsleben immer mehr hinterfragt. Mich beschäftigte intensiv die Frage: Wenn mein Leben tatsächlich plötzlich zu Ende ist, soll es das gewesen sein? In der Summe meiner Gedanken habe ich dann gehandelt und mich selbständig gemacht und ja, meinen Liebsten sogar irgendwann geheiratet. Auf dem Weg in unsere Beziehung habe ich gelernt, dass er ohne – oder mit gerade so notwendiger – Arbeit sehr glücklich ist und ich diese andere Sichtweise einfach hinnehmen darf. Ich dagegen arbeite sehr gerne und ich verdiene auch genug Geld, damit wir beide davon leben können. Ich sage Euch, diese Erkenntnis war nicht einfach. Bis ich ihn kennengelernt habe, bestand mein Leben eher aus Arbeit und entsprechend war auch mein Wertesystem sehr auf Arbeit ausgerichtet. Aber es hat mir sehr gutgetan, diese andere Sichtweise zu akzeptieren und ein bisschen davon zu lernen.

Über viele Jahre waren wir so als (unverheiratetes) Paar zusammen, er hatte kleine Jobs, ich hatte große Jobs – wir haben zunächst unsere Kosten getrennt bestritten. Nur bei Urlauben haben wir eine Ausnahme gemacht. Am Anfang habe ich sie ihm noch geschenkt, später einfach so bezahlt. Mir waren diese gemeinsamen Auszeiten sehr wichtig, er hätte sie sich eh nicht leisten können und wäre in der Konsequenz einfach zu Hause geblieben. Also habe ich sie bezahlt, zu zweit reisen macht einfach mehr Spaß. Meine Reise-leidenschaft war dann auch der Auslöser, um über Heirat nachzudenken. Aus diversen gesundheitlichen Gründen war klar, das er früher oder später wieder Hartz 4 bekommen würde, weil er den damaligen Job nicht langfristig hätte halten können. Zu dem Zeitpunkt war bei mir die  finanzielle Freiheit zum Greifen nah und ich habe mir mein fiktives optimales Leben erträumt. Logisch, mit vielen Reisen. Geht nicht gut mit diesen komischen Vorstellung von Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt vom Jobcenter. Also habe ich irgendwann die Kostenersparnis beim Ehegattensplitting gegen den Hartz 4 Zuschuss gegengerechnet. Für die Freiheit, Dinge gemeinsam tun zu können, wann immer wir das wollen, war es mir den Differenzbetrag von wenigen 1.000 € schon wert. So haben wir geheiratet! (Ja, auch aus Liebe – aber das ist jetzt hier gerade mal nicht der Fokus).

Kurz nach der Hochzeit sind wir auch zusammengezogen und haben jetzt eine „verdrehte“ Ehe. Ich geh raus arbeiten, er hält mir im Haushalt den Rücken frei. Und Mädels, ich sag Euch, das hat was.

Ich kümmere mich auch um alle Investments. Dabei erzähle ich ihm immer gerne, für welche Aktien ich mich aus welchem Grund entschieden habe. Er weiß selbstverständlich auch, wie groß unser Vermögen ist und es ist klar, wo die Trennlinien verlaufen. Die haben wir kurz nach Eheschließung auch in einem Ehevertrag festgelegt. Sollten wir uns trennen, ist alles wie vorher. Wenn eine Person wegen der Kindererziehung zuhause bleiben muss, kann ich der Zugewinngemeinschaft etwas abgewinnen. Aber den Gewinn meiner Immobilien teilen, nur weil er an Arbeit keinen Spaß hat, das war mir nicht sehr plausibel. Er hat unserer Gütertrennung ohne Bedenken zugestimmt.

Ob er im Zweifel nur bei mir bleibt wegen des Geldes? Genau kann ich das natürlich nie sagen. Aber um es zu vermeiden, haben wir ihm vor einigen Jahren noch eine Wohnung gekauft. Ich habe zwar zwei Drittel bezahlt, dennoch gehört die Wohnung ihm alleine. Das war ihm wichtig und ich konnte das gut nachvollziehen. Mein Notar fand diese Regelung ganz schrecklich und konnte nicht aufhören mir Horrorgeschichten seiner Klienten zu erzählen, wo er ihr eine Wohnung gekauft hatte und sie dann mit einem anderen durchgebrannt ist. Mein Eindruck war, dass dies eine große Männerangst ist, die auch in Beratungen gerne weitergegeben wird. Mir war es wichtiger, dass mein Mann gehen kann und wir nicht eine Ehe aus wirtschaftlichen Gründen führen.

Bisher funktioniert unsere Ehe wunderbar. Wir haben viel Zeit und reden gerne über Geldfragen. Da wir beide eher sparsame Menschen sind, diskutieren wir gerne Ausgaben und verwerfen dabei vieles. Dennoch haben sich unsere Kosten hier und da angepasst, wir wissen allerdings beide, dass es auch wieder sparsamer ginge.

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Über Monika - die Frau mit dem Geld

Das Thema Geld interessiert mich, weil ich mit 45 finanziell frei war. Durch ein bisschen zufällige und im Nachhinein geschickte Geldanlagen kann ich von meiner Rendite leben. Meine Geschichte habe ich als Monika Reich im Buch "Finanziell frei" aufgeschrieben. Über weitere Entwicklungen blogge ich hier und tausche mich gerne mit den anderen Frauen (und Männern) aus.

Diskussionen

5 Gedanken zu “Wenn Hartz 4 auf Millionärin trifft

  1. Hallo Monika,
    vielen Dank für deine Einblicke in eure Geschichte und eure Beziehung. Ich kann gut nachvollziehen, dass ein Unfall und der damit verbundene Blick auf die eigene Vergänglichkeit dich hat über deine Werte hat nachdenken lassen. Ich finde es toll, dass du daraus Konsequenzen gezogen und gehandelt hast. Ich habe ja auch aus ähnlichen Erfahrungen heraus mich beruflich verändert.
    Dass ihr beide mit so unterschiedlichen Einstellungen zur Arbeit zurecht kommt, finde ich erstaunlich. Ich fürchte, bei mir hätte das nicht funktioniert – vielleicht kenne ich aber auch die konkrete Einstellung deines Mannes zu wenig, um mir ein Urteil erlauben zu dürfen.
    Ich wünsche euch auf jeden Fall, dass ihr weiterhin einen Umgang mit dem lieben Geld pflegt, der euch beiden gut tut.
    Liebe Grüße
    Dummerchen

    Gefällt mir

    Verfasst von Dummerchen | 24. August 2017, 22:40
  2. hallo Monika,

    eine „sagenhafte“ & „wahre“ Geschichte aus dem Leben von Dir,von euch…ich bin tief beeindruckt,toll!

    PS:Was das verdammte,nein höchst-kriminelle (meine Meinung!)Hartz IV betrifft…möchte ich nicht näher darauf eingehen,ausser vielleicht ob die Guten oder Schlechten/Faulen Hartz IV-Empfänger keine Lobby in Deutschland haben,dafür interessiert sich „niemand“ der nicht selbst davon betroffen ist,doch vielleicht die Hartz IV Rebellin…google mal genau diesen Begriff dort kannst du Monika über sie Lesen!
    Ein Lob auch an deinen Mann,du bist ein Glückspilz denn Monika kommen nicht viele Männer mit dieser (extremen)Situation klar mit einer vermögenden Frau zusammen,sogar verh. zu sein…“Glückwunsch“ Monika
    und…mit dem was du auch schreibst,nicht jeder hat diese Berufung mit Aktien & Immobilien,ich es richtig gelesen habe,sich ein Vermögen aufzubauen,sprich:“ein lebenslanges passives Einkommen“ geschweige den Millionärs-Titel als sein Lebensziel zu setzen!
    Kurz nach der Hochzeit sind wir auch zusammengezogen und haben jetzt eine „verdrehte“ Ehe. Ich geh raus arbeiten, er hält mir im Haushalt den Rücken frei. Und Mädels, ich sag Euch, das hat was…auch große Klasse!Monika
    wie auch ihr über Geld,Anlagestrategien redet,klingt alles „sehr harmonisch“
    DAS mit dem Ehevertrag wäre für mich persönlich,ich eine vermögende Frau hätte eine „Selbstverständlichkeit“ sicher ist ein Leben mit Geld besser,schöner,angenehmer man hat diese „Sicherheit“ und muss sich keine finanziellen Sorgen machen Monika aber viel,viel wichtiger sind wie bei euch Charakterstärke,Harmonie und besonders „die Liebe & Gesundheit“ Monika ohne diese beiden wichtigsten Dinge ist alles nichts und das Leben nicht lebenswert…!!!

    Ich wünsche euch alles Liebe,Gute & das Allerbeste für euer „harmonisches,glückliches“ Leben und setze einen musikalischen Gruß an euch oben drauf Monika,ein wirklich sehr,sehr schöner Lovesong von der Gruppe „PUR“ mit Gemeinsam…besser kann man „wahre“ Liebe nicht ausdrücken,bitte-schön…

    „Vom Leben verwöhnt…“

    liebe,emphatische Grüße sendet…Michael

    PS:Monika,dein Buch/Bücher interessiert mich sehr…könntest du mir bitte darüber einen kleinen Auszug über den Inhalt schreiben,wäre sehr nett…“Merci“

    Gefällt mir

    Verfasst von Michael | 24. August 2017, 23:37
  3. Huhu Monika, ich denke mir immer: Alles ist recht, sofern beide mit der Situation zufrieden sind. Ich finde es gut, das dein Mann dir den Rücken frei hält. Gleichzeitig ist es eine schwierige Situation, wenn nicht beide Partner ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Ich hätte z.B. nie während der Ausbildung oder im Studium geheiratet. Denn man lacht sich im Falle einer Scheidung trotz Gütertrennung schneller Unterhaltszahlungen an als einem lieb ist, weswegen es mir wichtig ist, dass mein Partner sich selbst verpflegen kann. Wobei das bei gesundheitlichen Problemen noch mal eine andere Situation ist. Wenn man lange zusammen ist, spielt die potentielle Scheidung letztlich dann doch so kein große Rolle, sondern man will den Partner gut versorgt wissen. Danke für den Einblick in euer Leben!

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    Verfasst von Ex-Studentin | 26. August 2017, 16:33

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