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Allgemein, Geldmuster

Interview: Wie haben es Eure Eltern gemacht?

Wir versuchen uns heute mit einem neuen Format in unserem Blog. Einem Gespräch, wie wir es natürlich sowieso immer in unseren Geldgesprächen führen, aber bisher noch nie in unserem Blog dokumentiert haben. In diesem Fall haben wir uns zu viert getroffen und über das Thema „Eltern und Geld“ gesprochen.

Und los geht´s:

Gisela: Wie war das in Eurem Elternhaus? Ich bin überzeugt, Geld war sicherlich irgendwie ein Thema und ich finde es spannend, herauszufinden, wie mit diesem Thema umgegangen worden ist.

IMG_5279Dagoberta: Das war bei uns eindeutig ein Männerthema. Um Geld hat sich mein Vater gekümmert, meine Mutter hatte ein Postsparbuch und von diesem hat sie das Geld für die alltäglichen Einkäufe abgehoben. Kleinere Beträge haben wir entsprechend auch von ihr bekommen. Aber wenn es um größere Anschaffungen ging, war klar, wir drei Kinder müssen mit unserem Vater verhandeln. Ihn galt es zu überzeugen. Wobei er dann auch immer Geld für unsere Kinderwünsche hatte. Wenn wir ihn denn überzeugt haben. Will sagen, er kam nie mit dem Argument, er hätte grad kein Geld. Allerdings fand er leider vieles von unseren Kinderwünschen völlig unnötig.

Disco: Das war bei uns ganz anders. Bei meinen Eltern war es immer knapp. Und um diesen Mangel hat es sich auch bei unglaublich vielen Gesprächen gedreht. Mein Vater war über lange Strecken selbständig und hatte immer Sorge, dass nicht genügend Geld reinkommt. Natürlich gab es da auch Dinge, die wir als Kinder gern gewollt hätten, die wir aber gar nicht eingefordert haben, weil wir ja wussten, dass kein Geld da war.

Menno: Bei uns war das ähnlich, wie bei Dir Disco. Allerdings nur so richtig kritisch in den ersten Jahren. Als ich ungefähr 10 Jahre alt war, hat meine Mutter wieder angefangen zu arbeiten und mein Vater hatte eine neue Stelle mit einem besseren Gehalt angefangen. Dann war plötzlich mehr Geld da, ich erinnere mich, dass wir plötzlich nach Italien gefahren sind, ein neues Auto angeschafft wurde und überhaupt – soweit ich das aus kindlicher Sicht beurteilen kann – hat sich unser Lebensstandard erhöht.

Gisela: Menno, darf ich nachfragen. Haben Deine Eltern in den darauffolgenden Jahren in Wohlstand gelebt? Oder war es doch irgendwann wieder knapp?

Menno: Gute Frage. Und ja, das war ein bisschen schleichend. Ich muss gestehen, gejammert haben sie erst wieder, als mein Bruder anfing zu studieren. Da sie gemeinsam relativ viel Geld hatten, bekam er kein Bafög, stattdessen gingen jeden Monat 600,- € an ihn. In meiner Gegenwart haben sie sich schon zurückgehalten, denn es wurde dann noch enger, als ich dann auch zum Studium in eine andere Stadt zog. Trotzdem habe ich in dieser Zeit immer wieder aufgeschnappt, dass es eng sei. Sicherlich nicht wegen unserem Studium, aber möglicherweise durch den Faktor, dass die Kinder jetzt durch sind, haben meine Eltern sich in dieser Zeit dann voneinander getrennt. Beide haben sich alleine für deutlich kleinere Wohnungen entschieden und haben dann auch wieder – soweit ich das einschätzen kann – etwas bescheidener gelebt. Ich glaube, die äußere Verpflichtung ein gut situiertes glückliches Familienleben den Nachbarn vorzuspielen, war einfach nicht mehr gegeben.

Dagoberta: Das ist erstaunlich. Meine Eltern haben uns eher als fast Erwachsene davon berichtet, dass es am Anfang ihrer Ehe brutal knapp war. Das haben wir als Kleinkinder aber nicht so gemerkt. Später hatten sie mehr, aber es hat sie nie die Bohne interessiert, was die Nachbarn denken. Wir hatten das schäbigste Haus in der Straße, mein Vater fuhr das älteste Auto und wir Kinder waren immer mit irgendwelchen heruntergekommenen Fahrrädern unterwegs. Ich habe mich deswegen immer mal geschämt, ich weiß, mein Bruder kauft heute wohl in Protest zu dieser Kindheit viele Markensachen. Die gab es damals nämlich so gut wie nie. Ich dagegen bin ein bisschen ähnlich gestrickt, wie meine Eltern. Mir  ist Status oder die Darstellung von Reichtum pupsegal.

Disco: Oh, da waren meine Eltern leider ganz anders und ich muss zu meinem Entsetzen gestehen, dass ich das wohl übernommen habe. Ich erinnere mich noch gut dran, mein Vater hatte – als ich so 13 war – einen großen Kunden und hatte plötzlich einen größeren Betrag verdient. Besonders meine Eltern haben lange diskutiert, was sich jetzt davon angeschafft wird. Letztlich wurde es ein Auto, mit diesem haben wir dann auch noch alle einen supertollen und teuren Urlaub in Österreich gemacht. Es uns einfach gut gehen lassen. Danach war das Geld wieder aufgebraucht und wir haben wieder normal weitergelebt – und gejammert, dass kein Geld da ist. Frustrierend oder? Und wisst ihr was besonders frustrierend ist? Ich mach das, wenn ich mich mal ehrlich kritisch betrachte, heute genauso. Wenn ein Kunde eine besonders teure Rechnung bezahlt, dann habe ich automatisch das Gefühl, jetzt muss ich mir was leisten und Gutes gönnen. Es ist dann egal, ob ich in die Stadt zum shoppen gehe oder das im Internet erledige. Ich muss mich mit was Schönem belohnen.

Gisela: Unbewusst stellst Du damit auch immer die Loyalität zu Deinen Eltern her. Wenn es genauso läuft, wie bei Ihnen, bist Du Ihnen unterbewusst treu. Ist das bei Euch Anderen auch so?

Dagoberta: Oh ja, das kann ich bestätigen. Ich bin im ersten Moment am liebsten genauso sparsam wie meine Eltern und mein Mann muss mich dann immer drängeln, mir auch mal was zu leisten.

Menno: Sicherlich lebe ich auch das Muster meiner Eltern, den Lebensstandard immer an das verfügbare Einkommen anzupassen. Besonders natürlich, wenn das Einkommen steigt. Vor diesem Austausch zum Thema Geld hätte ich auch gesagt, das ist doch normal, das macht doch jeder so. Aber ich höre hier gerade, dass es da wohl auch andere Muster gibt und die dann auch zu unterschiedlichen Resultaten führen. Dagoberta, ich nehme an, Dein Vater hat inzwischen auch einiges auf der hohen Kante, bei dem … Lebensstil.

Dagoberta: Gib´s zu, Du wolltest grad knausrigen Lebensstil sagen.

Menno: Kannst Du Gedanken lesen?

Dagoberta: Na, das stimmt schon. Ich habe sogar den Eindruck, dass jetzt im Alter diese spezifischen Eigenheiten nochmal verstärkt hervorkommen. Mein Vater ist extrem sparsam, am meisten mit sich selbst. Ja und das hat zu einiges an Geld geführt. Zumal mein Vater recht geschickt im investieren ist.  Eigentlich könnte er jetzt, mit 75, aufhören zu investieren und das ganze Geld freudig auf den Kopf hauen. Aber es fällt ihm sehr schwer, von eingeübten, langjährigen Gewohnheiten loszulassen. Übrigens auch eine Parallele zu mir. Mir fällt es ja auch schwer, vom Sparen auf Konsum umzuschalten.

Disco: Das ist schon spannend, wie wir da alle die Vorbilder unserer Eltern nachleben. Bei anderen Dingen ist da ja längst nicht so, also wenn ich mir meine Berufswahl anschaue oder die Entscheidung, keine Familie haben zu wollen. Da fällt mir noch viel mehr ein, was ich bewusst anders mache. Beim Geld war mir das bis heute aber nicht mal bewusst.

Gisela: Ich glaube, dass dies bei Geld ein wichtiger Punkt ist. Bei vielen anderen Themen reden wir laufend mit anderen Menschen über Bilder, Vorstellungen und Gedanken. Damit geben wir uns auch die Gelegenheit, unsere Ansichten zu reflektieren und ggf. auch zu korrigieren. Beim Geld reden wir sehr wenig. Entsprechend reflektieren wir unsere vorgelebten Bilder nicht und haben damit auch keine Gelegenheit, sie möglicherweise bewusst zu korrigieren.

Im nächsten Teil des Gesprächs unterhalten die vier Damen sich darüber, welche Dinge ihrer Eltern sie gerne beibehalten wollen und welche sie aus welchen Gründen gerne ablegen wollen. Stay tuned!

 

 

 

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Über Gisela Enders - Coach

Coach, Autorin, Bloggerin

Diskussionen

2 Gedanken zu “Interview: Wie haben es Eure Eltern gemacht?

  1. Dieses Gespräch erinnert mich an das Buch „Rich dad, poor dad“. Wir lernen und übernehmen von unseren Eltern unglaublich viele Werte in Sachen Geld. Leider unbewusst. Beim Lesen sind mir da auch zahlreiche Parallelen zu meinen Eltern aufgefallen. Ich werde die auch noch mehr hinterfragen müssen. Meine Eltern waren richtig reichen Menschen gegenüber immer sehr kritisch gegenüber eingestellt, da war viel Neid oder sowas wie Missgunst. Entsprechend habe ich auch so gut wie keine reichen Freunde. Ich glaube, ich begegne Menschen, die ich für reich halte, unbewusst gleich mir einer gewissen Ablehnung. So kann ich die natürlich auch nicht kennenlernen…

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    Verfasst von Marianne | 4. Februar 2016, 16:23
    • Liebe Marianne,
      ja, das ist tatsächlich bei ganz vielen Menschen und sowieso allen Lebensbereichen so. Wir übernehmen das, was wir von unseren Eltern gelernt haben. Allerdings gibt es bei Geld zu anderen Themen einen kleinen Unterschied: Wir reden so selten mit Freundinnen darüber. Heißt, wir bekommen auch nicht andere Umgangsformen mit. Uns fehlt die Gelegenheit, das Handeln unserer Eltern bewusst zu hinterfragen und uns vielleicht für einen anderen Umgang zu entscheiden. Deshalb finden wir es so wichtig, über das Geldthema zu reden. Eben weil es sonst keiner tut.
      Danke für Dein Feedback. Und übrigens unsere Monika würdest Du mögen. Du würdest allerdings auch nicht auf den ersten Blick erkennen, dass sie reich ist. Nicht mal auf den zweiten…
      Tschüß Gisela

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      Verfasst von Gisela Enders - Coach | 4. Februar 2016, 16:32

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